Nach der Wahl ist vor der Wahl…

Die Wahlen sind vorbei und das Volk hat sich (überwiegend) dafür entschieden, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Ganz klar, wir mögen keine Veränderungen! Jedenfalls nicht, wenn es uns einigermaßen gut geht. Unsere steinzeitlichen Vorfahren mussten sicherlich oft schmerzhaft erfahren, dass Veränderungen auch Gefahren mit sich bringen, z.B. als sie neue Jagdgründe für sich erschlossen und dann feststellten, dass sie mit anderen Sippen und Stämmen Probleme bekamen. Kennen Sie das Graves-Value-Modell? Das ist eine bio-psycho-soziales Erklärungsmodell für die gesellschaftliche und menschliche Entwicklung, erarbeitet von Prof. Clare Graves. Dieses Modell sagt u.a. aus, dass (alle) Systeme gesetzmäßig in die Krise geraten. Und diesen Krisen folgen entweder Reformen oder sie enden in der sogenannten Gamma-Falle, dem totalen Zusammenbruch. Auf der Ebene des einzelnen Individuums ist dieser Zustand durchaus auch mit dem Burnout-Syndrom vergleichbar. Was meinen Sie: Wird es mit der neuen (alten) Regierung umfassende Reformen geben, die den totalen Zusammenbruch langfristig verhindern? Das bleibt zu hoffen. Denn immer nur so weiter zu machen wie bisher, ist ein gefährliches Spiel.

Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine Zukunfts-Partei, eine Partei, die sich zum Ziel setzt, die Probleme der Zukunft zu lösen? Würden damit nicht zwangsläufig auch die Probleme der Gegenwart gelöst werden? Nahezu alle etablierten Parteien sprechen zum Beispiel gegenwartsbezogen von der Vollbeschäftigung. Werden wir in 50 oder 100 Jahren die menschliche Arbeitskraft überhaupt noch benötigen? Aus der Sicht einer Partei, die sich mit der Zukunft auseinandersetzt, müsste man schon heute nach einer Finanzierungsmöglichkeit des „kollektiven Freizeitparks Deutschland“, wie es Altkanzler Helmut Kohl einst sarkastisch ausgedrückt hat, suchen. Solange es uns einigermaßen gut geht, ist der Impuls der Mehrheit, so weiterzumachen wie bisher, mehr als verständlich. Doch sollte uns das nicht dazu verleiten, die Probleme der Zukunft komplett auszublenden. Das Graves-Value-Modell warnt uns: Wer rechtzeitige Reformen unterlässt, läuft Gefahr, in die Gamma-Falle zu stürzen! Die massive Zunahme psychischer Erkrankungen in Bevölkerung sollte uns wachrütteln und klar machen, dass das Fieber unserer Gesellschaft steigt. Und das sollte auch die aktuell noch zu bildende Bundesregierung beachten, denn: Nach der Wahl ist vor der Wahl!

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Über Friedhelm Sommerland

Friedhelm Sommerland ist Kommunikations-Lehrtrainer (DVNLP e.V.) und Heilpraktiker für Psychotherapie und arbeitet in Berlin als Heilpraktiker in eigener Praxis, als Coach, Autor und Dozent. Er ist spezialisiert auf die Behandlung von psychischen und traumatischen Erkrankungen und die Begleitung von klein- und mittelständischen Unternehmen in den Bereichen Betriebliches Gesundheitsmanagement und Burnout-Prävention.

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